Bordeaux im Juli 2007

Der Frühsommer in dem sonst so sonnenverwöhnten Médoc ist feucht und der Himmel bedeckt. Genau der richtige Zeitpunkt für eine Stadtbesichtigung. Die einzige große Stadt im Südwesten ist Bordeaux. Eine Stadt, in der ständig gebaut und saniert wird. Die Rocade, die Stadtautobahn, meldet meistens Stau. In der Innenstadt an den früheren Hafenanlagen, den Quais, wird viel gebaut, die Straßen sind für den weiteren Ausbau der nächsten Tramlinie aufgerissen. Aber es ist schon weniger geworden, nachdem die futuristische Tramway inzwischen ihren  Dienst störungsfrei durch die Stadt versieht. Es ist eine interessante Stadt, jetzt von der Unesco als Weltkulturerbe eingestuft, mit zentralen Funktionen für das gesamte Umland, vielen Geschäften, Dienstleistungen und einer großen Universität. So erleben wir nach 1 ½ Std. Fahrzeit die Stadt wieder. Wenn man sich auskennt, findet man auch einen Parkplatz, dieses Mal wieder direkt an der großen Place des Quinquonces, mit dem großen Jacobinerdenkmal. Der beste Wegweiser ist die Garonne in Nord-Südrichtung, an der man sich orientieren kann. Schon die Römer richteten auch hier ihr Straßensystem danach ein, der Decumanus in Ost-West-Richtung (jetzt Rue de la Devise = ein früher hier oberirdisch verlaufender Bach, jetzt nur noch unterirdisch vorhanden) ist heute noch zu erkennen. Sonst ist von den Römern außer einigen Säulen nicht mehr viel übrig geblieben. Die Stadt wird bestimmt durch die Architektur des 18. Jahrhunderts, und die wird mit viel Liebe und Aufwand restauriert. Das Grand Théâtre von 1780 ist das beste Beispiel dafür. 

Die gesamte Innenstadt, rechts und links von der Sainte Catherine ist Fußgängerzone bzw. verkehrsberuhigter Bereich. Beim Theater und beim Cours de l’Intendance sehr vornehm, nach Süden über den Cours d’Alsace et Lorraine immer weniger. Dahin führte unser Weg, denn wir hatten eine so genannte Geheimadresse für ein besonderes Restaurant in der Rue Buhan. Der Weg war weit, viel weiter als wir dachten. Das Gebiet immer bruchiger, die Damen standen schon mittags unauffällig auffällig parat. Wenn wir nicht die Restaurantadresse als Geheimtipp bekommen hätten, wären wir längst umgedreht. In solche Gegenden geht man nicht unbedingt…und plötzlich standen wir direkt davor. Ein schlichter Eingang, an dem man fast vorbeiging, „Le vieux Bordeaux“. Innen fein gedeckt, die Wände in Rottönen gehalten und mit Spiegeln dekoriert, laden zum Genuß ein. Dann eine freundliche Bedienung. Obwohl  schon fast 14 Uhr kein Problem für Mittagessen. Es gibt ein Mittagsmenü, das auch von vielen diskutierenden Geschäftsleuten genommen wird: herrliche Moules, ca. 15 Stück, halbgeöffnet, mit einer feinen weißen Sauce nappiert, in der Mitte Salat angeordnet. Dazu ein Glas kühler weißer Bordeaux, der natürlich aus der Flasche eingeschenkt wird, zwischendurch verschiedene kleine Gourmandises, gefüllte Minipaprika, auf Löffel serviert, schmackhafte Avocadocreme auf Toast, Courgette-Suppe in Puppentässchen, alles wunderschön angerichtet, einfach mit Stil. Als Hauptgericht ein Lachs mit kleiner Gemüseauswahl, u.a. Artischockenböden. Dann wieder viele Kleinigkeiten in Form von starkem Pfefferminztee in homöopathischer Dosis, dazu Minicrêpes und Roseneis. Danach Crème brûlée, dann Espresso mit Mokkalikör in winzigen Schnapsgläschen, dazu selbstgemachte Pralinen. Das alles ist das Menü für 19 Euro. Wer à la carte isst, bekommt die hübschen Amuses-Gueule natürlich genauso. Es war ein großartiger Auftakt für eine Stadtbesichtigung. Inzwischen wissen wir, dass es eines der sehr guten Restaurants von Bordeaux ist. Nach diesem leichten Menü geht man beschwingt durch die Geschäftsstraßen, die bestückt sind mit vielen kleinen individuellen Läden. Bei uns überwiegen in allen Innenstädten die Läden der bekannten Ketten, dort nicht. Das macht die Innenstadt lebendig und vielschichtig. Dazu ein ausgesprochen junges Publikum mit vielen Kindern, die das Straßenbild beherrschen. Bei der Rückkehr noch ein Tee in einer feinen Passage am Cours de l’Intendance. Ein Blick auf die Uhr, fast 19 Uhr. Jetzt wird es eilig für die letzten Einkäufe, denn inzwischen hat Deutschland aufgeholt mit viel längeren Abendöffnungszeiten. In der Galerie des Grands Hommes gibt es noch die Chance, an eine Baguette zu kommen. Ein Amerikaner, der sich auch noch kurz vor Ladenschluß mit etwas Essbarem versorgt, zeigt uns, wo es zu finden ist. Die dunkelhäutige Kassiererin spricht plötzlich englisch und hilft bei den letzten Einkäufen. Zurück zum Parkplatz. Man bezahlt mit der Visakarte, erhält ein Stück Papier mit Codezeichnung als Quittung, die man bei der Ausfahrt auf einen Bildschirm legt, und schon öffnet sich die Schranke. Die Heimfahrt erfolgt problemlos, die Rush Hour ist längst  vorbei. Man fährt, gut überwacht von Radarfallen, nach einem schönen Stadttag nach Hause. Nicht müde, nicht gestresst, aber voller guter Eindrücke und mit dem festen Vorsatz, bald wieder zu kommen, vor allem auch wegen der guten Küche.

P.S. Das Restaurant ist nur ein Geheimtipp in Anführungszeichen. Es steht in jedem Restaurantführer und gilt als eines der besonders guten in Bordeaux, in dem v.a. Einheimische verkehren……und das ist das beste Gütezeichen.

Albrecht Bogner
August 2007

Das Wetter im Südwesten - Freitag, der 13.

Das Wetter im Südwesten Frankreichs war im Gegensatz zu unserer deutschen Heimat im gesamten Frühjahr (außer im April) und Frühsommer 2007 feucht und windig. Im Mai, als wir dort waren, ungemütlich. Im Juni, wurde uns berichtet, ebenso. Auch der Juli begann feucht und gewittrig. Durch den Regen war aber alles schön grün, die Bäume wuchsen, vor allem die Eichen, die Mimosen und die Pinien. Nur der Wein, der dieses Gebiet berühmt macht, leidet unter der ständigen Feuchtigkeit und neigt zu Krankheiten. Die Viticulteure klagen, wie immer, aber dieses Mal wohl zu recht.

Die großen Ferien in Frankreich nahen und die Hoffnung auf schöne Tage. Es kommt Freitag, der 13. Juli und…..wird der erste richtig schöne Sonnentag im Jahr. Schon morgens knallblauer Himmel, die Temperatur steigt mittags auf 30°, das Meer ist schön und ruhig, grüne Fahne am bewachten Badestrand, ca. 19 – 20° das Wasser. Ein paar kleine Méduses (Quallen) stören den schönen Eindruck nicht. Man atmet richtig auf, liegt faul auf der Terrasse, kann viele Zeitungen lesen und nichts tun, draußen in der Natur sein bis spät in die Nacht.

Zur besonderen Feier des Tages gibt es ein feines Abendménu: Magret de Canard, 10 Min. auf der Fettseite gebraten, dann auf der anderen Seite, dann in den Backofen. Im Entenfett werden 2 knackige Äpfel in Stücken gebraten. Beides zusammen serviert ohne Fett. Dazu ein kühler Rosé von Château Maucaillou/Bordeaux, bei Sabine Coutreau vom Château David gekauft. Als Dessert wartet noch ein Clafoutis aux Cerises, der aber nur noch in homöopathischen Dosen Anklang findet. Die Nacht bricht herein, der große Wagen steht direkt über uns und zeigt uns den Weg nach Norden, wo wir jetzt gar nicht hinwollen. Dieser Freitag, der 13., war kein schwarzer Freitag. Es war der schönste Freitag. Die Laune stieg und der Dax auf über 8000. Der Sommer kann kommen, und das Feu d’artifice, das große Feuerwerk für den 14. Juli kann vorbereitet werden. Man freut sich schon darauf, wenn der glitzernde Brillantregen den Nachthimmel verzaubert. An den Sturm auf die Bastille denkt hier niemand, dafür an die Freude am Leben, la joie de vivre, im Sommer. Der Freitag, der 13., hat ihn eingeläutet.

Nachsatz: Es ist Sonntag, der 29. Juli 2007. Außer einigen Sonnentagen ist der Sommer am Atlantik mit „frisquette“ und „instable“, von der Météo und der Wirklichkeit richtig beschrieben. Es regnet schon wieder. Das kurze Sommerhoch ist in eine Dépression gerutscht, der Dax auch. Jetzt bleibt einem nur, auf einen schönen Herbst zu hoffen.

Fortsetzung: ….und der stellte sich wirklich ein. Der September war herrlich, Himmel, Strand und Meer. Auch der Wein konnte noch mal Sonne tanken, und der Dax stieg wieder auf 8.000.

Albrecht Bogner


Bild: A. Bogner